Vor einem Auslandsaufenthalt nimmt jeder bei YFU an einer VBT (Vorbereitungstagung) teil, bei dem man neue Leute kennenlernt. Häufig ist es länderübergreifend, doch bei meiner VBT traf ich wegen des Abflugdatums im März nur Teilnehmer, die ebenfalls nach Japan gehen. Die Themen umfassten unter anderem Kulturen, persönliche Grenzen und Anpassung, was teilweise nicht nur für mein Auslandsjahr nützlich war.
Die Anreise gestaltete sich allerdings etwas schwierig. Ursprünglich hatten meine Mutter und ich geplant, am Freitagmorgen gemeinsam mit dem Zug nach Lauenburg (in der Nähe von Hamburg) zu fahren. Leider fiel unser Zug aufgrund eines Streiks aus. Also klärten meine Eltern mit YFU, dass sie mich bereits am Donnerstag zur Jugendherberge bringen. Außerdem gabelten wir einen Jungen aus Worms auf, der ebenfalls eine Mitfahrtgelegenheit gesucht hatte. Das war wirklich toll von euch!
Nach meiner Ankunft bezog ich direkt mein Zimmer, machte es mir gemütlich und beschloss, am Nachmittag noch einen kleinen Spaziergang zu machen. Ich schlenderte zu einer schreienden Statue, dem Rufer. Auf dem Weg sah ich viele für Norddeutschland typische Backsteinhäuser, schöne, teils krumme Fachwerkhäuser und eine wunderschöne Innenstadt mit gepflasterten Straßen. Beim Rufer machte ich einige Fotos und kehrte wieder um – pünktlich zum Abendessen.


Am nächsten Tag lernte ich nach dem Frühstück in meinem Zimmer ein wenig Japanisch und erledigte meine Schulaufgaben. Rausgehen wollte ich nicht, weil es in Strömen regnete und sehr ungemütlich war.
Gegen 13 Uhr begab ich mich ins Plenum (Versammlungssaal), wo ich auf die ersten Teilnehmer wartete und mich sogleich mit ihnen unterhielt. Außerdem wurden Fragen zu YFU ausgelegt, die wir beantworten sollten.
Als wir um 15 Uhr in einem Stuhlkreis zusammenkamen, stellte sich jeder vor und erhielt ein Namensschild für das komplette Wochenende. Danach besprachen wir die Fragen von davor und hörten eine Präsentation über die Gründung von YFU, Allgemeines (z.B. in welche Länder sie entsenden) und ihre Ziele.
Danach aßen wir zu Abend. Bei jedem Abend- und Mittagessen saßen wir mit neuen Leuten zusammen, da der Tisch, an den wir kamen, ausgelost wurde.
Nach dem Essen spielten wir in Vierergruppen ein Kennenlernspiel, dessen Ziel es war, Nummern auf einem Spielbrett in der Jugendherberge zu suchen, das Lösungswort von der Rückseite dem zuständigen Teamer zu nennen und eine Frage zu beantworten, meist aus MiA (Mein interkultureller Austausch). MiA ist eine interaktive Webseite, auf der wir uns vor der VBT mit den Themen der Anpassung, Kultur und eigenen Grenzen auseinandersetzen sollten.
Wer das Spiel am Ende gewonnen hatte, war nicht ganz klar, da einige fälschlicherweise Kärtchen eingesammelt hatten. Denn die letzte Aufgabe bestand darin, eine bestimmte Anzahl an Kärtchen (z.B. alle Kärtchen von 1 bis 40) zu sammeln. Nur unser Team und ein weiteres waren so weit gekommen, als erklärt wurde, es gäbe keinen Sieger. Im Herzen haben wir trotzdem gewonnen.
Außerdem gab es jeden Abend nach dem Abendessen um 21 Uhr immer noch die „Bärchengruppen“. Diese bestanden aus den 4er-Gruppen des Kennenlernspiels mit demselben Teamer. Zu Beginn erhielten wir ein Blatt, auf dem Bärchen auf und rund um einen Baum abgebildet waren, von denen wir eines ausmalen sollten. Danach sollten wir erklären, warum wir uns für dieses Bärchen entschieden hatten und über unsere Gefühle sprechen. Wenn ihr mich fragt, sahen die Bärchen aber nicht wirklich wie Bärchen aus, sondern wie undefinierbare Umrisse.
Aber wir hatten in den Bärchengruppen immer sehr viel Spaß, weil wir vom Thema abwichen und uns über lustige Dinge unterhielten, z.B. wo der Absender auf einem Briefumschlag steht.
Am Samstag spielten wir nach dem Frühstück ein Rollenspiel, bei dem sich zwei Völker trotz ihrer Gegensätzlichkeit verständigen mussten. Außerdem diskutierten wir am Nachmittag über die eigenen Grenzen der Anpassung, wie viel man leisten sollte und wann es zu weit war. Der letzte Programmpunkt war ein Japan-Abend, bei dem ich etwas über Fettnäpfchen, Freunde finden und dem Leben in einer Gastfamilie erfuhr.
Abgeschlossen wurde der Tag wieder mit den Bärchengruppen.
Am Sonntagvormittag beschäftigten wir uns mit den Themen Stress, Achtsamkeit und eigene Grenzen, zu denen wir frei gehen konnten. Besonders die Achtsamkeit war sehr entspannend und half uns, zur Ruhe zu kommen.
Am Nachmittag sollten wir selbstständig in Kleingruppen arbeiten. Obwohl dies eine gute Idee war, hatten wir alle zu viel Zeit, weswegen wir uns danach unterhielten, bis die Zeit um war und wir unsere Ergebnisse präsentierten und auswerteten sowie ein Fazit zogen.
Der letzte Abend in den Bärchengruppen gestaltete sich ein wenig anders, denn wir trafen uns draußen, um einen Spaziergang durch Lauenburg und entlang des Flussufers zu machen. Dabei erhielten wir ein auf uns zugeschnittenes Feedback von den Teamern. Wir sprachen auch über unsere Ängste und konnte ihnen sowie der VBT insgesamt ein Feedback geben.
Außerdem konnten wir uns an der frischen Luft mit den anderen unterhalten, was super toll war!
Beim Abendessen gab es die Möglichkeit, ein Quiz über die Teamer zu machen, bei dem man z.B. ihr Alter, ihren Traumberuf oder aktuellen Beruf erriet. Ich nahm mit ein paar Freunden am Quiz teil und es hat richtig Spaß gemacht.
Danach gestalteten wir noch ein Plakat. Normalerweise soll es zum Motto der VBT passen – „Unter Wasser“. Aber wir entschieden uns dazu, das Motto zu Japan abzuändern. Dementsprechend gestalteten wir das Plakat. Da wir noch nicht fertig waren, als die Teamer reinkamen, schickten wir sie wieder raus und zeigten ihnen erst das fertige Plakat, auf deren Mitte die Teamer in japanischer Kleidung vor einem Schrein zu sehen waren.
Bei der Auflösung des Quizzes lagen wir völlig daneben. Aber wir waren die Gruppe, die am wenigsten daneben lag, deshalb gewannen wir.

Am letzten Morgen gaben uns die Teamer noch Werte wie Mut und Hilfsbereitschaft mit. Wir plauderten noch ein wenig mit allen, bevor wir uns auf den Weg zur Bahn machen mussten. Eine Freundin wurde von ihren Großeltern abgeholt. Diese sagten, sie würden mich bis zum Bahnhof mitnehmen. Das war so lieb von ihnen!
Nach einiger Wartezeit stieg ich schließlich in den Zug nach Hause ein.


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